• Pura Vida auf Gran Canaria

    Sonne!

    Sonne, 27 °C und strahlendblauer Himmel!! Reflexionen der schroffen Berghänge spiegeln sich im kristallklaren Wasser des Stausees. Die Luft ist geschwängert vom Duft der Pinien und Blüten. Außer mir und meiner Freundin keine Menschenseele weit und breit. Mit dem ersten Wurf realisiere ich: Der lange, kalte Winter ist endlich vorbei!





    Nach monatelangem Sonnenentzug und Wintertristess in Deutschland begaben wir uns auf die Flucht ins Warme. Wohlüberlegt hatte ich mich bei der Planung der Reise für Gran Canaria ausgesprochen, da nicht nur der Atlantik mit seinem Reichtum an lohnenswerter Beute lockt, sondern es in den Stauseen im Inselinneren auch noch von Schwarzbarschen wimmeln soll. Dieser Bericht soll als kleiner Angel-Reiseführer dienen, damit nicht jeder wieder von Null anfangen muss.

    Nach unserer Ankunft in Mogan, welches nicht nur zu den schönsten Orten der Insel gehört, sondern auch noch völlig überraschend () mitten zwischen den interessantesten Stauseen liegt, ging es dann auch direkt mit dem Mietauto ab in die Berge. Entfernt man sich nur ein paar Kilometer von der Küste, entpuppt sich Gran Canaria als naturbelassenes Paradies, nicht nur aus anglerischer Perspektive.







    Die Stauseen, derer es insgesamt 60 gibt, wurden zur Wasserreserve für die Landwirtschaft der Insel angelegt. Durch Besatz von Karpfen und Schwarzbarschen soll der Algen- und Insektenwuchs in Schach gehalten werden. Nach ausgiebiger Recherche hatte ich mich auf fünf der Größeren festgelegt, die es innerhalb der Woche zu erkunden galt: las Niñas, Soria, Chira, Ayagaures und Mulato. Die ansässigen Angler interessieren sich überraschenderweise einen feuchten Kehrricht für die Fische dort, da das Meer für sie die bessere Alternative darstellt. Einen Überblick über die Lage der Stauseen auf der Insel kann man sich hier verschaffen:


    Quelle: http://www.canaryfishing.com

    las Niñas

    Ein schöner See mit vielen kleinen Buchten und felsigen Ufern, die teilweise sehr steil ins Wasser abfallen. Gut per Auto zugänglich, es gibt sogar einen kleinen Campingplatz mit Kiosk am Nordufer. Nach zwei kleineren Blackis, die mich trotz ihrer geringen Größe in Freudentaumel versetzten (es gibt sie hier wirklich!!) ging mir dann auch ein größerer auf die Schuppen:







    Soria

    Der größte Stausee der 5 von uns erkundeten. Sehr schwer zugänglich, da die Ufer teils steil abfallen und keine Straße ans Wasser führt. Über die Staumauer kommt man allerdings auf die West-Seite des Sees, und kann von dort mit einigen Klettereinlagen ans Ufer. Auch wenn das klar-grüne Wasser und all die kleinen Buchten nur so nach Schwarzbarschen schreien, konnte ich weder einen sehen noch fangen. Die Tiefe des See beträgt an manchen Stellen bis zu 50 Meter, es kann also auch an den großen Wassermassen gelegen haben.





    Chira

    Der am weitesten enfternte See von der Küste. Wer keine Lust auf eine 2-stündige Fahrt durch die Bergwelt hat, kann sich per Helikopter direkt ans Ufer fliegen lassen (Preis beträgt laut den Einheimischen ~70 € pro Person, Start ist in Maspalomas). Der See ist vorallem für seine ausgezeichneten Karpfenbestände bekannt. Hier habe ich auch die einzigen Anglerkollegen getroffen, drei Karpfen-Angler aus Frankreich. An dem See hat sich ein englisches Paar niedergelassen, die Guiding sowohl für Karpfen als auch für Schwarzbarsche anbieten (75 € pro Tag, http://www.carpgrancanaria.com/id7.html). Für mich persönlich war der See zu groß, zu trüb und mit zu wenig Struktur am Ufer. Ab 1. Mai darf man wohl mit dem Belly-Boot drauf, dann stehen die Chancen schon besser.





    Ayagaures

    Traumhaft am Ende eines langen Tals gelegen, bildet der Embalse de Ayagaures den unteren Teil des Stausee-Systems von Gambuesa-Ayagaures. Mit las Niñas der am zugänglichste See. Klares Wasser, viele kleine Buchten, viel Struktur am Ufer. Laut Informationen der Einheimischen soll es hier richtig dicke Burschen geben, leider konnte ich sie nicht zum Landgang überreden. Einzige Ausbeute: zwei 20-25er. Auf dem zweiten Bild ist die Staumauer von Gambuesa zu sehen, und der Anfang von Ayagaures. Mit der Polbrille konnte ich hier viele schwarze Schemen unter der Wasseroberfläche ausmachen, für Karpen etwas zu klein (nicht die 3 Schildkröten auf dem Bild ). Eventuell war ein Großteil der Barsche in diesem Bereich des Sees beim Laichen? Ohne Knochenbrüche konnte man auf jeden Fall nicht ans Wasser..





    Mulato

    Der wahrgewordene Anglertraum, eine absolute Perle! Die meiste Zeit haben wir an diesem See verbracht, auch das Intro des Artikels bezieht sich darauf. Der kleinste der Seen, und doch mit Abstand der schönste. Statt schroffem Fels sind die Ufer mit Wasserpflanzen und Schilf bewachsen, jeder Wurf in einen unbefischten Meter bringt einen neuen Fisch. Das Wasser ist glasklar, Angeln auf Sicht vom feinsten! Ich möchte hier nicht mit Zahlen angeben, aber eine Fischausbeute von über 50 pro Tag ist locker drin. Einziges Manko: keiner war größer als ~ 25 cm. War es die falsche Zeit vom Jahr? Standen die Großen nur im Tiefen in der Mitte des Sees? Es spielt auch keine Rolle, da die Quantität die fehlenden Kapitalen locker wieder gut gemacht hat.









    Tackle

    Ein paar Worte möchte ich noch über die Rute und die eingesetzten Köder verlieren. Bei den meisten Airlines (darunter auch Air Berlin) gilt: eine Angelrute, die nicht in den Koffer passt, ist Sperrgepäck. Sperrgepäck = 50 € pro Flug (dabei ist übrigens egal, obs ein Kajak oder eine Rute ist..). Daher hatte ich mich zum Kauf einer Reiserute entschieden, und bin über Fabian zur "ValleyHill Buzztriks RB "Packer" BTKC-610MP" gekommen.



    Nach einer Woche intensiven angelns bin ich restlos begeistert! Gut verarbeitet, fischt sich mit dem Reg-Fast Taper als Allroundrute angenehmer als meine Del Sol 662M, passt mit 62 cm Packmaß in jeden Koffer. Beim Angeln habe ich die Vierteilung kein bisschen gemerkt, man muss nur darauf achten, dass die Einzelteile fest ineinander gesteckt sind. Die Spitze ist sensibel genug, um bei geflochtener Schnur gefühlt stehts direkt "am Köder" zu sein, und doch nicht zu weich. Geworfen hab ich damit mit einer Abu Premier 2010 alles vom Squirrel 61 bis zum Pointer 100, und nirgens hatte ich das Gefühl, Abstriche machen zu müssen. Diese Rute wird mich von jetzt an nicht nur auf Reisen begleiten!

    Erlaubnisscheine

    Um in den Stauseen angeln zu dürfen, benötigt man einen Erlaubnisschein. Wer jetzt denkt, da interessiert sich doch eh keiner dafür, der irrt. Die Guardia Civil fährt viel im Innland umher, und kontrolliert IMMER, wenn sie Angler an den Stauseen sieht (einhellige Meinung vieler Einheimische, die wir gefragt haben). Die Karte kostet zwar nur läppische 12 € pro Jahr, dafür aber fast einen Tag des Urlaubs.. Gran Canaria ist Spanien, und Spanien ist nunmal Spanien . Will heißen: Effiziente Bürokratie sieht anders aus. Da meine Freundin Spanierin ist, und auch ich der Sprache mächtig bin, konnten wir in einem 4 Stunden Marathon die Karte erwerben. Für jemanden ohne Sprachkenntnisse , ohne folgende Anleitung, fast ein Ding der Unmöglichkeit.

    Benötigte Dinge: Ausweis, Passbild, 12 €, Geduld..
    1. Man gehe in die Straße C/ Profesor Augustín Millares Carló in Las Palmas. Erster Stock. Abteilung Medio Ambiente. Hübsche Frau mit schwarzen Haaren, hohen Absätzen und vermutlich knallbuntem Kleid. Jetzt sagen: "Permiso de pesca de agua dulce, por favor" und vielleicht noch "para los embalses" (für die Stauseen). Mit Glück bekommt man jetzt einen kleinen Papierstreifen mit den Kontodaten, und die Anweisung, das Geld bei der Bank "Bankia" einzuzahlen, dann gibts die Karte. Hach ist das einfach!

    Bankia soll also direkt auf der Straße sein, viele Banken, keine Bankia.. Rumgefragt, nach halber Stunde ist klar: Die Bank heißt noch Caja de Gran Canarias, ist aber Pleite gegangen, heißt jetzt Bankia, die Schilder sind aber noch nicht gewechselt worde.... Ok, also zur Caja de Gran Canarias. Drinnen: Menschenmassen, alle wollen Geld einzahlen (Die Bank liegt genau zwischen den ganzen Behörden und Ämtern). Genau ein Schalter hat geöffnet. Wir fragen uns bis heute noch, wie man pro Person 10 Minuten für das Einzahlen von Geld brauchen kann!? Die Mitleidenden in der Schlange meinen, der Angestellte arbeitet so langsam, damit sein Chef sieht, dass er Verstärkung braucht.. Großartig! Nach 2 Stunden (kein Scheiß) also Geld eingezahlt und letztendlich die Erlaubnis bekommen.

    Wichtig: Die Erlaubnis gilt NICHT fürs Meer, für den Schein muss man zu einem anderen Amt am Hafen, wo sich der Vorgang wiederholt..

    Abschließend kann ich nur sagen: Wer dem harten mitteleuropäischen Winter im nächsten Jahr entkommen möchte, und einen Ort zum Angeln UND Erholen für die Familie sucht, für den ist Gran Canaria genau das Richtige. Das ich hier explizit die Namen der besten Seen nenne, liegt daran, dass ich mir solche Informationen oft von Berichten wünschen würde. Damit diese Orte auch in der Zukunft so bleiben, sollte auf einige Punkte besondere Rücksicht genommen werden:

    - Catch and release only!
    - Andrücken der Widerhacken, wenn möglich auf Drillinge zugunsten von Einzelhaken verzichten
    - Kein achtloses Wegschmeißen von Müll. Ich hatte bei den Touren am Ende vom Tag ein Fach meiner Tasche voll mit Verpackungen von Angelsachen, die ich am Ufer gefunden habe.
    - Schonender Umgang mit der Ufervegetation, da hier auch oft Vögel gebrütet haben.

    In diesem Sinne,

    Hasta la proxima Gran Canaria!
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Pura Vida auf Gran Canaria - schwarzer Reichtum der Insel - Erstellt von: Julian85 Original-Beitrag anzeigen
    Kommentare 13 Kommentare
    1. Avatar von Blackmax
      Blackmax -
      Super informativer und richtig schöner Bericht, danke Julian!

      Da bekommt man das Fernweh schon im Voraus für den nächsten Winter, der kommt bekanntlich bestimmt. Dein Artikel hat mir wohl den letzten Schubs gegeben, im nächsten Frühjahr hier mal für ne´ Woche oder zwei abzuhauen.
    1. Avatar von Rapante
      Rapante -
      Toller Bericht, macht Lust auf Nachahmung
    1. Avatar von Xaxa
      Xaxa -
      Wow. Toller Reisebericht mit vielen nützlichen Infos!
    1. Avatar von abgemetert
      abgemetert -
      Beide Daumen hoch! Sehr schön geschriebener und sehr informativer Bericht. Vor allem die Angabe der Ortschaften und der Vermerk/Hinweis sich entsprechend zu verhalten...absolut meine Meinung!!!
    1. Avatar von Marioman
      Marioman -
      Absolut super Bericht! Vielen Dank für die Informationen!!
      Gruss
      Mario
    1. Avatar von Klausi
      Klausi -
      Schöner Bericht, schöne Bilder.
      Danke gesagt.
    1. Avatar von Raphael
      Raphael -
      Schöner Bericht
    1. Avatar von thymallus
      thymallus -
      Sehr gut geschriebener Bericht. Sieht gut aus!
    1. Avatar von Angel-Guide-Gran-Canaria
      Angel-Guide-Gran-Canaria -
      Hola.
      Schöner Bericht. Um 2 Deiner Rätsel zu lösen:
      1. Im Presa de Soria gibt es keine Fische - ebenso wie in vielen anderen Seen, die nach der fälschlichen Karte Fische enthalten sollen.
      Die enthaltenen Fischarten kann man dagegen erweitern:
      Einige Seen enhalten neben Karpfen, Black Bass und Sonnenbarsch auch Kois, Zwergwelse, Mosambik-Buntbarsche, Pfauenaugen-Buntbarsche und Bluegills.
      2. Deine Köder waren schlicht viel zu klein. Der Barsch heißt im amerikanischen "Largemouth" = Großmaul.
      Der Mulato enthält aber auch leider nicht sehr große. Über 45 cm ist dort selten.
      An anderen Seen haben meine Guiding-Kunden und ich schon Barsche bis 57 cm gefangen.
      ..............
    1. Avatar von Sutherland
      Sutherland -
      Bin mal gespannt auf Dein ebook. Kann es leider aktuell nur nicht in der kindle cloud öffnen.
    1. Avatar von Angel-Guide-Gran-Canaria
      Angel-Guide-Gran-Canaria -
      Wenn Du mir den Kaufnachweis schickst - kann ich es Dir auch als ausdruckbare PDF schicken.Grüsse
    1. Avatar von Nippon
      Nippon -
      Zitat Zitat von Angel-Guide-Gran-Canaria Beitrag anzeigen
      An anderen Seen haben meine Guiding-Kunden und ich schon Barsche bis 57 cm gefangen.
      Da kann ich auch am Lake BIWA bleiben, da werden sie bis über 70 cm

      Braucht man dich eigentlich noch als Guide, wenn man die "Fanggarantie" für 10 EUR als Ebook kaufen kann? Gibt es da auch eine Geld-zurück-Garantie für die Flugkosten?
    1. Avatar von dgspec
      dgspec -