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Fishing–Kajak (Selbstaufbau) E-Mail
Geschrieben von Bluefox alias Michael Hanke   
Montag, 18. Januar 2010

Hallo Leute,

Sepp aus unserem Forum hat mich vor ein paar Tagen gebeten, mein Fishing–Kajak hier einmal vorzustellen.

 

Mach ich doch gerne!

  k-500foto_1.jpg

 

 

Wie alles begann:

Vor ca. fünf Jahren erfuhr ich von einem Fliegenfischerkollegen, dass in Dänemark nun auch von Kajaks auf Meerforellen gefischt wird und dass es sich dabei um sogenannte „Sit – On - Top Kajaks“ handelt. Nach einschlägigen Erfahrungen mit dem Belly Boat und einem aufblasbaren Ponton–Boat, welche uns nicht wirklich bei den Ostseeeinsätzen überzeugten, taten sich für uns ganz neue Perspektiven auf und es folgten lange Recherchen im www 

 

Schnell war erkannt, dass diese Boote Potential in vielerlei Hinsicht hatten. Mit diesen Booten sollte es möglich sein, nun endlich die Sandbank zu erreichen, die man immer schon betreten wollte, um den danach folgenden Tiefwasserbereich mit Tang und Steinen zu befischen. Einfach zur Sandbank paddeln, dort absteigen, das Boot mit der „Bowline“ an den Watgürtel klicken und Schritt für Schritt den Bereich abfischen. Ein Schluck Tee aus der Thermokanne auf der Sandbank, mit Kajak kein Problem. Schließlich muss der ganze Krempel nicht mehr im Rucksack mitgeschleppt werden. Zum nächsten Riff in 2 km Entfernung war es nun kein ewiger Fußmarsch mehr, nachdem die Wathose von innen genau so nass war wie von außen. Außerdem konnte man auf dem Weg zum nächsten Spot einen Köder hinter dem Boot herschleppen. So waren die ersten Ideen zum Einsatz eines SOT. 
 

Durch weitere Recherchen im www. war bald klar, dass man mit dem Ausbau dieser Boote und entsprechender Ausrüstung sich eine ganz individuelle Plattform für eine umfangreiche Fischerei schaffen kann, die sehr mobil, vielfältig einsetzbar und ohne großen Aufwand zu transportieren ist. Ich las Berichte über die Fischerei auf Barsche in kleinen oder größeren See oder über die Fischerei in den Flats vor Florida, andere berichteten über das Fischen auf Tun, Hai oder sogar Sailfish. Für mich war klar, wenn das mit dem Tunfisch oder Hai geht, dann geht es auch auf Hecht, Barsch und Co. 

Es stand fest, so ein Teil muss her. Nach einem halben Jahr ausführlicher Recherche über die verschiedenen Bootstypen verschiedener Hersteller, stellte sich schnell heraus, dass die Kajaks, als auch die für den Ausbau benötigten Kleinteile in Deutschland in ähnlicher Weise verfügbar waren wie hinter dem Ural. Der Direktimport aus den USA wurde auch in meine Überlegungen mit einbezogen, doch nach diversen Berechungen hätte sich nur die Menge an Booten gerechnet, die in einen Seecontainer passt (ca. 30 Stück). Mein Kollege hat einen kleinen Laden für Artikel zur Küstenfischerei auf Meerforelle, doch auch ihm war das gebundene Kapital bei 30 Booten zu groß. Durch Zufall erfuhr ich, dass es in Deutschland einen Hauptimporteur von Ocean Kajak gibt. Zufälligerweise gab es dort ein Kajak, welches ich auf meiner Top – 3 – Liste hatte.  

 

Das Prowler Elite 4.5

 

 

Aufbau eines SOT – Kajaks 

Anders als bei den bisher üblichen und meist bekannten Kajaks handelt es sich hierbei nicht um ein Sit–In – Kajak, sondern um ein Sit–On-Top Kajak 

Die Fischerei von einem Sit–On–Top Kajak gibt es in den USA schon seit etwa Mitte der 80er, doch wie ihr es aus vielen anderen Bereichen der Fischerei kennt, dauert es oft eine gewisse Zeit bis es über den Teich nach „Good Old Germany“ kommt. Wie der Name schon sagt, sitzt man hier nicht im, sondern auf dem Kajak. Das Deck ist deshalb mit Fußrasten, einer angepassten Sitzfläche, 6 Lenzlöcher, Aussparungen für Gerätekästen und Luken zum wasserdichten Verstauen von Gerät oder Kleidung versehen sowie einer großen Anzahl von Ösen, um Sicherungsleinen für Ausrüstungsteile anzubinden. 

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Die Vorteile von SOT–Kajaks

Die wesentlichen Vorteile sind dabei, dass man im Wasser sehr leicht aussteigen und wieder einsteigen kann und dass es ausgesprochen kippstabil ist. Je nach Rumpfform kann man in vielen Modellen mit etwas Übung auch im Stehen fischen. Man sitzt viel tiefer im Wasser, als bei den meisten anderen Booten. Auch flach stehende Fische in sehr seichten Gewässerabschnitten sind noch erfolgreich zu befischen (geringe Scheuchwirkung). Einer der größten Vorteile (für mich); Es ist sehr leise und ideal, um sich an einen Spot heranzuschleichen. Schon öfters ist es mir passiert, dass ich bei ganz langsamer Fahrt einem Karpfen mit dem Kiel über die Schuppen gekratzt bin und wir uns beide gleich erschrocken haben. Kajaks (die längeren Modelle) sind im Vergleich zu anderen mit Muskelkraft betriebenen Booten sehr schnell und zugleich recht seetauglich, auch bei etwas raueren Bedingungen.  Sit–On-Top Kajaks sind eine echte Alternative zum Belly Boat, um auf Gewässern, auf denen der Einsatz von Motoren untersagt ist zu fischen. Kajaks sind absolut langstreckentauglich, was man von einem Belly Boat nicht unbedingt behaupten kann. Man benötigt keine Slipp-Anlage bzw. eine besondere Stelle an der man sie zu Wasser lassen kann. Sit–On-Top Kajaks können sehr einfach auf einem üblichen Autodachträger transportiert werden. Sie benötigen wenig Platz bei der Lagerung. Mit ein paar breiten Spanngurten, kann man sich leicht zwei bis drei Boote an die Garagenwand hängen.

SOT’s lassen sich leicht und für jeden Einsatzzweck ausrüsten, zum Schleppen, zum Driftfischen, für kleine Seen und Flüsse, für Fjorde, das offene Meer oder küstennahe Abschnitte. Man benötigt keinen Bootsführerschein. Sie sind auch für den kleinen Geldbeutel geeignet. Je nach Hersteller und Modell kostet ein Kajak zwischen 500 - und 1300 €. Es ist ein tolles Naturerlebnis, mit eigener Muskelkraft lautlos im Wasser zu gleiten, die Natur aus dieser Perspektive wahrzunehmen und alles am und im Wasser zu beobachten.

 

Die Nachteile von SOT–Kajaks

SOT–Kajaks bieten viel weniger Stauraum für Geräte und Köderboxen, man muss sich vorher genau überlegen, welche Köder bzw. Ruten man benötigt. Sie sind weniger für den bequem veranlagten Fischer geeignet, der es gewohnt ist, hoch auf einem Stuhl im Boot zu sitzen. Bestimmte Techniken und Köderführungen müssen wegen der tiefen Sitzposition überdacht bzw. neu gelernt werden. Ein SOT–Kajak bietet nur einem Fischer Platz (es gibt aber auch Tandemboote).

 Entweder man fischt oder man paddelt beides gleichzeitig geht nur sehr begrenzt. In einem SOT–Kajak ist es nie ganz trocken, denn durch das Einsteigen mit Wathose oder nasser Kleidung kommt immer etwas Wasser ins Boot.

 

Die Ausstattung durch den Hersteller

 

Länge:   4.5 m

Breite:   71 cm

Gewicht:   30.4 kg

Maximale Gewichtszuladung:   230 kg (depending on water conditions)

Farbe:   Mango Flame

 

Die Rumpfform, die Breite und Länge eines Kajaks haben einen wesentlichen Einfluss auf die Fahreigenschaften und den Verwendungszweck eines Kajaks. Mein Kajak sollte schnell sein, eine hohe Kippstabilität aufweisen und einen guten Geradeauslauf auch bei Seitenwind haben. Genug Stauraum für Ein- oder Mehrtagestouren sollte es ebenso bieten. Es sollte auf großen und kleinen Seen in Staubereichen von Flüssen und in der Ostsee eingesetzt werden, aus diesen Gründen war für mich auch die Option zur Nachrüstung einer Steueranlage wichtig. Der Prowler 4.5 Elite entsprach deshalb ziemlich genau meinen Wünschen. 

Der Prowler 4.5 Elite wird von der Firma Ocean Kajak hergestellt und ist für den Einsatz in der Fischerei vorgesehen. Neben diversen in den Kunststoff eingelassenen Gewindebuchsen aus Messing zur Aufnahme einer Min–Kota –Motorenhalterung sind ab Werk zwei wasserdichte Rutenhalter rechts und links hinter der Sitzmulde eingeschraubt. Auch die Ösen zur Aufnahme der Sicherungsleinen sind in solchen Gewindebuchsen verankert. Etwa in der Mitte des Bootes befindet sich das Transducer Scupper Hole, welches eine Öffnung für den Geber eines Echolotes bietet.

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Hierzu gibt es eine Verschraubung, die den Echolotgeber fest und sicher im Bootsrumpf fixiert und eine einwandfreie Funktion garantiert.

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Das Kajak besitzt zwei Luken, eine kleine runde vor dem Sitz mit Dichtung zum Verschrauben und eine große im Bugbereich zum Beladen des Rumpfes mit Gerät (Ruten, Kleidung, Rollwagen, (Akku in wasserdichter Box usw.)

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Am Spiegel (Heck) des Bootes befinden sich vier weitere Gewindebuchsen, die für die Verschraubung einer Steueranlage vorgesehen sind.

Rechts und links auf Höhe der Sitzmulde ist eine Paddelhalterung angebracht, um das Paddel zu fixieren, wenn es längere Zeit nicht benötigt wird.

Das Kajak besitzt im tankwell (Stauraum hinter dem Sitz), in der Sitzmulde und zwischen den Fußrasten je zwei Lenzlöcher. Bei Fahrt ist das Boot damit selbstlenzend (Venturieffekt). Zwischen der Schraubluke und dem Kleinteilkasten befindet sich noch eine Vertiefung zum Abstellen einer Getränkedose. Ich denke, ohne eine solche Halterung haben die Boote keine Chance auf dem US–Markt. Ich habe noch kein Boot gesehen, welches keine Halterung hatte.

 

Der individuelle Aufbau meiner Plattform Prowler 4.5 Elite

Rutenhalter:

1 Schlepprutenhalter der Firma RAM mit Kugelkopfmontage

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2 Rutenhalter in der Rückenlehne vom Sitz

2 Rutenhalter im Transportkorb im Heck

Steueranlage mit Fußpedalsteuerung, zum Aufklappen und Wassern über einen Seilzug

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1 Transportkorb für Köder, Anker, Driftanker usw. hinter dem Sitz mit Sicherung durch Gummibänder

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PFD (Schwimmweste): von MIT - Modell Dorado

Kajaksitz mit Tasche und Rutenhalter: von Surf to Summit - Model Elite 

 

Anchor Trolley System: Ein Seilzugsystem, mit dem der Anschlagpunkt der Ankerleine vom Heck bis zum Bug stufenlos verstellt werden kann.

Damit kann das Boot bei der Verwendung eines Ankers (auch Driftanker) um 180 C° gedreht werden oder in jeder beliebigen Position gehalten werden.

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GPS: Garmin eTrex Vista HVx montiert an RAM mount

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Echolot: Humminbird 727 montiert an RAM mount mit DB – Geber

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Adaptorplate: Eigenkonstruktion aus 8 mm PVC zur Aufnahme der RAM Kugelköpfe für die Halterung von GPS und Echolot mit einer Plano Kleinteilebox, die mit einem Gummizug fixiert werden kann.

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Downrigger: Scotty Laketroller (im Aufbau)

Rollwagen: Der Firma Wheeleez mit extrabreiter Bereifung für Sand und unwegsames Gelände, zerlegbar, um ihn in der Bugluke zu transportieren

 

Anker für verschiedene Bodenverhältnis bzw. Bedingungen

  1. M-Anker 1 Kg mit 1m Kette
  2. Klappanker 1.5 Kg mit 1m Kette
  3. Schleifanker ca. 5 Kg
  4. Buschanker, um das Boot an Bäumen oder anderen Strukturen oberhalb der Wasseroberfläche zu verankern
  5. Treibanker, um das Boot bei zu starker Drift durch Wind abzubremsen.
  6. 40m Ankerleine 4mm auf einer Handhaspel mit Gleitboje, um die ausgeklinkte Ankerleine später wieder zu finden

 

Wasserdichte Packsäcke, um Kleidung und Geräteboxen im Boot wasserdicht zu verstauen

Tourenpaddel mit 230 cm Länge, rechts gedreht mit GFK-Schaft

Paddel Sicherungsleine mit integriertem Gummizug

 

Es versteht sich von selbst, dass ich nicht immer bei jeder Ausfahrt alle hier aufgeführten Teile mit auf das Boot nehme. Meist nehme ich nicht viel mehr mit, als die meisten von euch in einer Umhängetasche unterbringen und ein bis zwei Ruten.

 

  Kajaksicherheit

 

Wie jede mit der Natur eng verbundene Sportart, birgt auch das Kajakfishing Gefahren und Risiken. Absolute Sicherheit sollte auch beim Kajakfishing oberstes Gebot sein.

 

- Fahre nie ohne PFD in einem Kajak.

- Erkundige dich immer über die derzeitige Wettersituation.

- Passe deine Kleidung der Jahreszeit und Wettersituation an.

- Hole Information zu den jeweiligen Wasserständen bzw. Strömungsverhältnissen deines Zielgewässers ein.

- Fahre nie alleine auf eine größere Tour.

- Handy, Signalpfeife, Stirnlampe sind immer entsprechend verstaut mitzuführen.

- In Gewässern mit Schiffsverkehr ist eine Signalflagge oder Signallampe an dem Kajak anzubringen.

- Trage bei starken Strömungen immer eine Sicherungsleine, die dich mit dem Kajak verbindet.

- Verwende immer eine Sicherungsleine für dein Paddel.

- Führe immer ein Kompass oder GPS mit dir.

- Die Kombination von Alkohol und Kajakfishing kann lebensgefährlich sein.

 

Hier noch ein paar Fotos mit Wasser unterm Kiel.

 

 

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Ich hoffe Euch das Kajakfishing etwas näher gebracht zu haben

 

 

Euer Bluefox alias Michael

 

 

 

 

 

 


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  Kommentare (5)
RSS Kommentare
1. Geschrieben von: blackwater, am 19-01-2010 10:42
ist ja eine tolle geschichte so ein kajak...wo die rede von fischen auf thun ist, zieht der dein kleines kajak nicht erstmal 1 kilometer durch die gegend? :D
2. Geschrieben von: WoodyX6, am 19-01-2010 11:07
Schick schick! Macht Lust aufs Kajaken ;) 
 
Meine erste Wahl zum Angeln wäre allerdings ein Hobie! Der große Vorteil ist die Fortbewegung mit den Beinen, somit hat man die Hände zum Angeln frei! 
Hobie Mirage
3. Boah - wie geil ist das denn
Geschrieben von: sepp, am 19-01-2010 15:14
Danke Michael für Deinen tollen Bericht. 
hört sich ja insgesamt sehr spannend an und käme für mich ggf auch in Frage. Denkst Du es wäre möglich auf der Donau mit so einem SOT zu fischen. 
 
Ich seh hier immer die Kanuten die in ihren 1er oder 4er Rennruderbooten die Donau rauf und runterpesen. Ob dass allerdings mit so nem Kajak auf funzt. Denke mal so starke Strömung wie der Rhein hat die Donau hier vielleicht nicht, aber ein stehendes Gewässer ist sie hier wahrlich nicht :-) 
 
Schöne Grüsse 
 
Sepp
4. Geschrieben von: Nippon, am 19-01-2010 19:21
Bei meiner letzten Kajak-/Kanu-Tour bin ich umgekippt und konnte gerade noch den Rucksack aus dem Wasser holen...wenn ich oben im Bericht die Bilder des vollbepackten Kajak mit dem Tackle (inkl. Ruten, Echolot) sehe und daran denke, wird mir Angst und Bange *g*
5. erfahrung
Geschrieben von: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , am 16-07-2010 00:34
hi hast du schon erfahrungen auf der ostsee gesammelt bin schon ne ganze weile am überlegen mir ein sot zuzulegen

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